Arnold Mercator (1537-1587), Kölner Stadtansicht (1571), Ausschnitt: Dominikanerkloster

Das Predigerkloster an der Stolkgasse

Dominikus hatte den Predigerorden im Jahr 1216 in Toulouse gegründet und seine Brüder im Jahr darauf in die großen Städte – nach Paris, Bologna und Spanien - ausgesandt mit dem Auftrag, zu predigen und zum Heil der Seelen zu wirken. Nach Köln waren die Predigerbrüder bereits im Jahr 1221 gekommen. Zur Gründung eines Konvents war ihnen von den Stiftherren von St. Andreas das Hospital der Kirche St. Maria Magdalena an der Stolkgasse im Stadtteil Niederich durch Schenkung überlassen worden, das 1180 ein Arzt und Chorherr namens Petrus zusammen mit einer Kapelle erbaut hatte. Gründer waren Frater Salomon, der Prior von Friesach, und der aus Köln stammende Bruder Heinrich von Mühlhausen (+ 1229), der auch erster Prior wurde. 1224 ist erstmals von einem conventus Sanctae Crucis die Rede, der an Mitgliedern rasch wuchs.

Am Anfang einer neuen Zeit

Dominikus, in: Book of Hours, Use of Sarum ('The Taymouth Hours'), England, S. E.? (London?), 2. Viertel des 14. Jh., f. 182v, British Library, London

Unter dem Eindruck der evangelischen Armutsbewegung in Südfrankreich und Nordspanien und ihren häretischen Auswüchsen (Katharer, Albigenser) war der Orden der Predigerbrüder entstanden. Mit der Verbindung von radikaler Armut, gemeinsamem Leben und Predigt beabsichtigten Dominikus und seine Gefährten, die Lebensweise Christi in größtmöglicher Buchstäblichkeit nachzuahmen und dadurch zu einer Erneuerung der Kirche aus ihren Ursprüngen beizutragen. 
Zugleich entsprach der Predigerorden mit seiner völlig neuen Weise mönchischen Lebens den gesellschaftlichen wie pastoralen Erfordernissen der Zeit. Anders als die herkömmlichen Klöster war der Dominikanerorden (a) als ein ortsunabhängiger Personalverband ohne Besitz und feste Einkünfte organisiert, der sich (b) in seiner Existenzsicherung im Wesentlichen auf Betteln und Seelsorge stützte. (c) Seine egalitäre Organisation sowie (d) die unmittelbare Unterstellung unter die päpstliche Autorität unterschieden das Mendikantentum weiterhin vom klassischen Mönchtum benediktinischer Provenienz mit (a) seiner stabilitas loci, (b) bewirtschaftetem Grundbesitz, (c) der Leitung durch einen Abt und (d) klösterlicher Autonomie und Autarkie.

Johann Koelhoff der Jüngere († nach 1502), Ansicht der Stadt „Agrippina oder Köln“ aus der Kölnischen Chronik, gedruckt 1499 (Holzschnitt), fol. 30

Predigen in der Stadt

Das Wirkungsfeld der Bettelorden war nicht mehr die Abgeschiedenheit des Landes (und dies nicht nur, weil Betteln im Wald zugegebenermaßen wenig Sinn macht), sondern das Fluidum der Städte, jener neu aufstrebenden kulturellen Zentren der Zeit mit ihren Zünften, Universitäten und gotischen Kathedralen. Die Städte waren für sie der Ort, die Menschen zu suchen und zu finden - und ihnen das Wort Gottes zu predigen.

Das Aufstreben des städtischen Bürgertums und sein Drang nach Bildung, dazu die Unbildung und das Ungenügen des herkömmlichen Pfarrklerus machten eine Verkündigung nötig, die auf einem soliden theologischem Wissen fußte. Dazu bedurfte es einer entsprechenden Kenntnis der Heiligen Schrift, der Quelle aller Predigt, durch Betrachtung und Studium. Von Anfang an war daher das Studium, und v.a. die intensive Beschäftigung mit der Bibel, konstitutiver Schwerpunkt im Leben der Konvente und in der theologischen Ausbildung der Brüder.

So konnte das Mendikantentum in besonderer Weise den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Wandlungen des 12. und 13. Jahrhunderts entsprechen.


Heute ...

... ist die Kirche St. Andreas unweit des Domes Ort dominikanischer Seelsorge in der Kölner Innenstadt. Als Ursprungsort, von dem aus das Wirken der Predigerbrüder in Köln ihren Anfang nahm, birgt sie eine Vielzahl von Überresten, die die mittelalterliche Religiosität der Predigerbrüder anschaulich macht. Vor allem findet sich dort in der Krypta das Grab des hl. Albertus Magnus.